Unser

WEIDEN

Ein Einblick von Dipl. Biologe Rainer Ressel

 

In fast allen Bereichen der Landnutzung haben in diesem Jahrhundert starke Intensivierungen stattgefunden, was sich gravierend auf große Teile unserer Landschaften mit ihren ehemals vielfältigen Lebensräumen und Tier- und Pflanzenvorkommen, ausgewirkt hat. Ausgenommen von diesen enormen Intensivierungen blieb die Wanderschäferei. Sie leistet seit Jahrhunderten unter anderem einen maßgeblichen Beitrag zur Vielfalt in unseren Landschaften.

 

Extensive Weidesysteme verdienen zukünftig eine größere gesellschaftliche und politische Wertschätzung, da sie als nachhaltige Nutzungssysteme in starkem Maße zur Erhaltung der Kulturlandschaft beitragen. Vielgestaltige und artenreiche Weiden erfordern neben einer ausreichenden Flächengröße ein flexibles, an die natürliche Ertragsfähigkeit des Standorts angepasstes Weidemanagement.

 

 

Die Schafweiden im Großen Lautertal

 

Das Tal der Großen Lauter ist bis zu 100 m tief in die umgebende Albhochfläche eingeschnitten. Der geologische

Untergrund der Steilhänge wird, ebenso wie auf der Hochfläche, aus Bank- und Massenkalken des Weißen Juras gebildet. Die Talsohle ist größtenteils von jungen Ablagerungen, also Kalkhangschutt, Kies und Auenlehm gefüllt.

 

Die Kalkmagerrasen finden sich auf ehemaligen Waldstandorten und sind erst durch Rodung und anschließende Weidenutzung im Laufe der Jahrhunderte entstanden. Hier werden zwei Typen unterschieden: gemähte Kalk-Magerwiese oder  Mähder und beweidete Kalk-Magerweiden. Die einst weitverbreiteten Kalkmagerrasen haben vor allem in diesem Jahrhundert starke Verluste erlitten. Die vom Schäfereibetrieb v. Mackensen beweideten Flächen liegen vor allem an den teilweise sehr steilen Hängen des mittleren Lautertals im Landkreis Reutlingen.

 

Naturschutz und Beweidung

 

Der Betrieb v. Mackensen ist Belangen des Naturschutzes gegenüber sehr aufgeschlossen. Im beweideten Gebiet

liegen ausgewiesene Naturschutzgebiete sowie eine ganze Reihe aus naturschutzfachlicher Sicht sehr wertvollen,

aus weidetechnischer Sicht aber schwierigen Flächen im Raum Gomadingen. Hier wurden große als Biotope geschützte Kalkmagerrasen und wacholderbestandenen Halbtrockenrasen in das Beweidungsnetz aufgenommen. Das aktuelle Beweidungskonzept für die Flächen ergibt sich aus enger Zusammenarbeit mit den Naturschutzbehörden und den betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

 

Die Weidegebiete der Schäferei waren früher durch breite Triebwege miteinander verknüpft. Heute sind diese

Triebwege meist sehr schmal und teilweise sogar unterbrochen. Die vom Betrieb v. Mackensen beweideten Gebiete

bilden ein Verbundsystem, welches flächenmässig einen der größten Halbtrockenrasen-Komplexe im Bereich der

Mittleren Schwäbischen Alb darstellt.

 

Durch die extensive Beweidung leistet die Schäferei v. Mackensen einen wichtigen Beitrag für den Erhalt einer außergewöhnlich reichen Flora und Fauna. So konnten z.B. im Eichhalde bislang 170 Pflanzenarten nachgewiesen

werden, von denen acht als bedroht und fünf als geschützt oder selten eingestuft werden. In den Heideflächen um Gomadingen beispielsweise wurden bislang insgesamt 242 Pflanzenarten festgestellt.

 

Neben typischen Vertretern der Kalkmagerrasen wie dem Frühlingsenzian (Gentiana verna), der Küchenschelle (Pulsatilla vulgaris), der Silberdistel (Carlina acaulis) oder dem Schopf-Kreuzblümchen (Polygala comosa) wachsen in diesen Heideflächen auch etliche seltene oder geschützte Arten wie das Katzenpfötchen (Antennaria dioica), der Trauben-Gamander (Teucrium botrys), der Gewöhnliche Wermut (Artemisia absinthium), der Schweizer Löwenzahn (Leontodon helveticus) oder das Fleischfarbene Knabenkraut (Dactylorhiza incarnata), um nur wenige zu nennen.
Durch die Offenhaltung der Heideflächen im Zuge der Hüteschafhaltung gewährleistet die Schäferei v. Mackensen außerdem den Erhalt der für Magerrasen typischen Schmetterlings-, Heuschrecken-, und Wildbienenfauna.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ohne Schafe keine Wacholderheide !

 

Vor vielen Jahrhunderten begannen die Menschen ihre Schafherden über die Schwäbische Alb zu treiben. Sie fällten

Bäume und lichteten die Wälder immer weiter auf. Wo einst Buchenwälder Schatten spendeten, entstanden große, sonnige Weideflächen. Abertausende hungriger Schafe fraßen die jungen Triebe der Bäume ab und sorgten so dafür, dass der Wald die Wiesen nicht zurückerobern konnte. Gräser und Kräuter nahmen die wenig fruchtbaren Flächen in Besitz.

 

Solange die Schäfer mit ihren Herden über die Alb wanderten, war die Existenz der Wacholderheiden gesichert.

Doch inzwischen ziehen zu wenig Schäfer über die Schwäbische Alb. Der Wald holt sich die Wacholderheiden Stück

für Stück zurück.

 

Wacholderheiden sind eine reine Kulturlandschaft. Überall auf der Schwäbischen Alb, wo die blaugrünen Wacholderbüsche die Landschaft prägen, würde ohne den Einfluss des Menschen Wald wachsen. Nur durch die früher weit verbreitete Wanderschäferei sind diese Biotope entstanden. Weil Schafe den stacheligen Wacholder verschmähen, konnten sich diese zypressenförmigen Büsche von ihren ursprünglichen Standorten, den Felsen und Waldrändern, auf die beweideten Flächen ausbreiten.

 

Die Wacholderheiden der Schwäbischen und der Fränkischen Alb gehören zu den ältesten durchgehend existierenden Kulturlandschaften der Menschheit. Für viele Tier- und Pflanzenarten sind sie ein Paradies – und zugleich eines der artenreichsten Ökosysteme Europas.

 

Schwalbenschwänze gaukeln von Blüte zu Blüte, in der Luft liegt der herbe Duft des Thymians, Heidelerchen singen hoch oben im Himmel und Zauneidechsen huschen über die Felsen, um dem Neuntöter zu entwischen. Wacholderheiden stecken voller Leben. Inmitten dieser Vielfalt ist es vor allem ein Tier, das untrennbar mit diesem Landschaftstyp verbunden ist:

das Schaf. Ohne die Schäferei ist die Schwäbische Alb, wie wir sie heute kennen, undenkbar.

 

Schäferei v. Mackensen